Mehr als Fernweh: Unser Panel-Talk zur Lage in Ausbildung und Berufseinstieg
Auf der Bühne des QTA-Reisesommers hat unsere Junior-Redakteurin Felicia Haslbeck drei Menschen auf einem Podium zusammengebracht, die aus verschiedenen Perspektiven auf die aktuellen Entwicklungen in der Ausbildung und Nachwuchsförderung blicken. Das sind ihre wichtigsten Takeaways der Diskussionsrunde.

Wer eine Karriere in der Touristik anstrebt, muss mehr mitbringen als nur den Spaß daran, die Welt zu entdecken und andere mit seinem Reisefieber anzustecken. Nicht selten erfordert die Branche den Mut Dinge anders zu machen. Den zahlreichen Krisen begegnet man am besten mit Resilienz. Das wissen nicht nur die, die täglich in touristischen Berufen arbeiten oder sich in Studium und Ausbildung auf eine Karriere in der Touristik vorbereiten, sondern auch alle, die sich in der Lehre mit der Frage beschäftigen, wie eine gute Nachwuchsförderung aussieht. Bei einem Podiumsgespräch im Rahmen des QTA-Reisesommers haben wir nachgefragt, was Menschen noch immer in die Branche lockt, ob die Realität ihren Vorstellungen gerecht wird und was sich noch tun muss, damit die Branche auch langfristig attraktiv bleibt. Teil der Gesprächsrunde waren neben YNG-Redakteurin Felicia Haslbeck auch Alexandra Campean, die an der IU Tourismusmanagement studiert, Tourismus-Dozentin Anne Rubel und Vertriebsexpertin Jana Taufenbach.
Trotz aller Krisen: Die Branche hat Zukunft, solange sie Ideen hat
Auf Tagungen und Branchenevents stehen nicht erst seit diesem Jahr existenzielle Sorgen und Probleme der Touristik im Fokus. Geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Herausforderungen, weltweite Krisen wie die Corona-Pandemie und mehrere Insolvenzen gehören schon seit Jahren zu den Themen der Branche. Das nimmt auch Jana Taufenbach, Sales Managerin bei Grecotel, wahr, die sich auch beim Gedanken an ihre eigene Ausbildungszeit im Reisebüro ab 2016 an zahlreiche Krisenmeldungen und Insolvenzen erinnert.
Aber: „Wir beobachten gleichzeitig, dass die Dynamik der Branche auch dazu führt, dass aus Krisen gelernt wird und neue Ideen und Projekte entstehen.” Auch Anne Rubel, Dozentin an der Kölner Fachschule für Touristik bekräftigt, dass die Studierenden und Azubis, die eine Karriere in der Branche planen, bei allen Krisen auch heute noch zu ihrer Entscheidung gratuliert: „Ihr habt alles richtig gemacht und euch für die schönste Branche der Welt entschieden.”
Junge Menschen und ihre Fähigkeiten werden zu häufig unterschätzt
Wer wie Alexandra Campean am Ende ihres Studiums vor der Bachelorarbeit steht und sich bereit zum Karriereeinstieg macht, wird nicht selten mit einer Erfahrung konfrontiert: Dem Gefühl unterschätzt zu werden. Aber wer sagt eigentlich, dass junge Nachwuchstalente sich nicht gut in ihrem Gebiet auskennen? Ein Punkt, in dem sich die Panel-Teilnehmerinnen einig sind, ist die Gewissheit, dass junge Reiseprofis frischen Wind in Reisebüros und Unternehmen bringen können und wichtige Impulse dabei setzen, das Alltagsgeschäft zu verbessern. Denn was viele Unternehmen inzwischen gelernt haben: Markt und Zeiten ändern sich – und wer bestehen will, kann nicht genauso arbeiten wie noch vor 20 Jahren.
Umso wichtiger ist es, dass jungen Menschen etwas zugetraut wird und sie nicht schon in Ausbildung und Studium mit Vorurteilen konfrontiert und unterschätzt werden. Das bringt auch die 29-jährige Jana Taufenbach auf den Punkt, die neben Stationen im Reisebüro und als Cruise Sales Manager bereits für mehrere Unternehmen Außendiensterfahrungen gesammelt hat. „Als ich noch in der Ausbildung mal einen Außendienstmitarbeiter angesprochen habe, ob er Tipps hat für jemanden, der mal seinen Karriereweg einschlagen möchte, bekam ich gesagt, ich solle erst einmal über 30 werden.” Statt zu entmutigen sollte die Branche lieber aktiv daran arbeiten, Menschen aufzubauen, deren Ehrgeiz belohnt wird.
Der Faktor Mensch wird bei allem Fortschritt weiter eine Rolle spielen
Auf die Frage, was ihr Wunsch für die Zukunft in der Touristik ist, hat Alexandra Campean eine klare Antwort: „Dass der Faktor Mensch erhalten bleibt!” Das sage sie nicht einmal nur als Nachwuchskraft, die sich erhofft, trotz aller technologischen Fortschritte Zukunftschancen in der Branche zu haben, sondern auch und vor allem mit Blick auf die Reisenden. „Ein entscheidender Faktor im Tourismus ist die emotionale Verbindung zwischen Menschen, wobei auch die individuelle Expertise von Reiseprofis eine Rolle spielt”.
Ganz ähnlich argumentiert auch Anne Rubel, die als Fachfrau in Sachen Lehre aktuelle Entwicklungen besonders gut im Blick hat. „Das Produkt Tourismus ist von Grund auf mit so vielen Emotionen verbunden und macht so viel Freude. Genau deshalb wird die Branche meiner Einschätzung nach auch nicht so schnell aussterben.” Auch die Konsumstatistiken zeigen: Menschen haben, bei allen Krisen und Entwicklungen aus dem Bereich Digitalisierung Lust aufs Reisen – und die persönliche Beratung steht dabei noch immer im Mittelpunkt.
Synergien nutzen: Warum ein starkes Netzwerk der beste Türöffner ist
Gefragt nach ihrem wichtigsten Tipp für junge Menschen in der Branche, erinnert Jana Taufenbach an die Rolle eines funktionierenden Netzwerks: „Wir alle kennen jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt – und das solltet ihr ausnutzen”. Das erleben viele Menschen in der Touristik täglich und gerade vor dem Hintergrund der zahlreichen Tagungen, die aktuell stattfinden, kann man das gerade vielfach ganz anschaulich beobachten.
Dabei sei es vor allem wichtig, dass man vor der Sichtbarkeit, die das Netzwerken erfordert nicht fürchtet, sondern im Gegenteil keine Sorge haben muss, „etwas Falsches zu sagen”. Nicht selten ergäben sich durch den Austausch mit Kolleg*innen und neuen Branchenkontakten Chancen und Projekte, an die man ohne sein Netzwerk nie gekommen wäre.



