Ein Plädoyer zum Abschluss: Wie Young Talents und YCC beim DRV-Kongress ihre Rolle finden
Viel gesprochen wurde über den Branchennachwuchs beim DRV-Hauptstadtkongress zwar nicht – dafür haben die jungen Menschen der Branche auch auf diverse Arten auf sich aufmerksam gemacht. Als Mitglieder der Young Career Community, die beim Networking Unternehmen auf ihr Netzwerk aufmerksam machen konnten, mit der Wall of Voices-Umfrage während der Pausen und allen voran bei den Präsentationen, mit der die Young Talents eine Reise nach Brüssel Revue passieren ließen.

Es liegt vielleicht in der Natur einer Tagung, dass hinter den drängenden Fragen und Problemen im Branchenalltag all die Dinge in den Hintergrund rücken, die einen daran erinnern, dass man für seinen Job brennt. Da muss die Neugier auf bisher unbekannte Orte und Kulturen den Diskussionen über Bürokratisierung weichen, statt um die Freude am Austausch mit den Kund*innen geht es um die Herausforderungen, die KI-Entwicklungen und Krisen mit sich bringen.
Auch der DRV-Hauptstadtkongress, der in dieser Woche über 300 Gäste aus der Touristik nach Berlin lockte, hätte so enden können – hätten die Young Talents, mit denen der Verband am Freitagmittag das Tagungsprogramm hat enden lassen, nicht noch ein Ausrufezeichen zum Schluss gesetzt. Zehn junge Menschen im Nachwuchsprogramm, ausgewählt aus Dutzenden Bewerber*innen, die seit einem guten halben Jahr im Nachwuchsprogramm des Verbands die Branche aus einer ganz besonderen Perspektive kennenlernen.
Wall of Voices beim DRV-Kongress: Eine Frage als Türöffner
Die Stimmung generell, als die Young Talents vor ihrer Wall of Voices auf Interview-Partner*innen warten: interessiert, offen für die Impulse, die auf dem Programm stehen, neugierig auf die Begegnungen mit neuen Kontakten. Die Frage hinter ihnen an die Wand projiziert ist: „Was ist eine Sache, die du in der Branche vermisst und die sich bis 2030 wirklich verändern muss?“
Die Aktion, die bei der Veranstaltung in Berlin zum ersten Mal ausprobiert wurde, verfolgt gleich mehrere Ziele: „Wir wollten, dass die Young Talents einen konkreten Anlass bekommen, aktiv auf andere Kongressteilnehmende zuzugehen und ins Gespräch zu kommen“, erklären Vivien Heydebreck und Sandy Horchler vom Organisationsteam hinter dem Young-Talents-Programm. Dass gleichzeitig auch noch ein aktuelles Stimmungsbild zu einer wichtigen Frage der Branche herauskommt, machte die Aktion besonders spannend.
Branchennachwuchs-Format soll mehr als nur Netzwerk erweitern
Präsenz zeigten die Young Talents auch am zweiten Kongresstag, als das Nachwuchsprogramm zum Abschluss der Mitgliederversammlung auch auf der Bühne des Hauptstadtkongresses im Rampenlicht stand. Heydebreck und Horchler stellten das Programm dabei gemeinsam mit Ulrike Katz vor, gingen auf die Auswahlphase ein und machten deutlich, dass die Young Talents inzwischen längst eine etablierte Größe im DRV sind, deren Erfolgsgeschichte auch im nächsten Jahr fortgeschrieben werden soll.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur, das berufliche Know-how zu vergrößern und durch die Nähe zu den Branchenveranstaltungen das Netzwerk zu erweitern, sondern auch die persönliche Weiterentwicklung und die Entwicklung der jungen Menschen zu Markenbotschafter*innen.
Dass sie schon nach der Hälfte des Programms das Zeug dazu haben, andere zu inspirieren, demonstrierten die Azubis, Studierenden und Arbeitnehmerinnen dann auch direkt auf der Bühne, als sie zum Abschluss der Mitgliederversammlung einen lebendigen Einblick gaben, in eine Reise nach Brüssel, bei der sie nicht nur auf Sightseeingtour in der belgischen Hauptstadt unterwegs waren, sondern auch auf mehrere Arten die Möglichkeit hatten, hinter die Kulissen der örtlichen Touristikbranche zu blicken.
Eine Bühne für Brüssel: Lehrstunde in Sachen Kreativität und Storytelling
Eine Gruppe fokussierte sich auf die Zukunft des Tourismus und die Rolle, die authentische Erlebnisse und Begegnungen dabei spielen, eine zweite warf einen Blick darauf, wie die europäische Politik in Brüssel ganz konkret die Touristik beeinflusst und welche Rolle auch der DRV dabei spielt. Und die dritte Gruppe brachte Themen wie Storytelling, Sinneserlebnisse und kreative touristische Angebote ein.
Was alle drei Gruppen anschaulich in einer Lehrstunde zeigen: Wie jungen Touristiker*innen mit Kreativität und Medienkompetenz, KI-Einsatz und punktgenauem Storytelling gelingen kann, Zuhörende bei einem Kongress scheinbar mühelos in ihren Bann zu ziehen und gleichzeitig sogar noch einige der Kongressthemen aufzugreifen und weiterzudenken. Was bei alldem sicher auch hilft, ist der frische Blick auf die Branche und eine Begeisterung, die ansteckend ist.
YCC-Community sieht Kongress als spannenden Blick über den Tellerrand
Was nicht zwingend bedeuten muss, dass das, was in den anderthalb Kongresstagen zuvor in Interviews, Panel-Talks und Vorträgen auf der Bühne des DRV-Hauptstadtkongresses gesagt wurde, automatisch weniger spannend ist, wie auch die Teilnehmenden der Young Career Community, kurz YCC, bestätigen. Sowohl René Neudorf als auch Jessica Wahlmeyer sehen in ihrer Kongressteilnahme eine spannende Möglichkeit für Einblicke, die im regulären Joballtag nicht so einfach möglich sind, und haben einiges an neuen Impulsen mitgenommen. Neues Destinationswissen – etwa zur Türkei oder Angola – oder auch Lösungsansätze für Probleme, die man selbst vielleicht noch nie wahrgenommen hat.
Beide engagieren sich im Organisationsteam des zweiten DRV-Nachwuchsnetzwerks der Young Career Community, die regelmäßig regionale Gruppentreffen organisiert und auch auf viele andere Arten auf die Stärkung des Netzwerks der Unter-35-Jährigen in der Branche setzt. Gerade für Jessica Wahlmeyer ist ihr Engagement hier allein deshalb eine Selbstverständlichkeit, „weil mir selbst in meiner Karrierefindungsphase und auch später während der Ausbildung so ein Netzwerk extrem geholfen hätte“. Die Stärke von Nachwuchsnetzwerken sei nämlich gerade in einer Branche wie der Touristik mit ihren komplexen und oft sehr unterschiedlichen Berufsbildern und Ausbildungswegen, neben klassischen Netzwerkchancen auch Orientierung für junge Menschen zu bieten.
Aus der Community für die Community: Neue Regionalgruppen bei der YCC
Auf die Frage, wie viel sich seit ihrem Engagement bei der Young Career Community verändert hätte, ist René Neudorfs Antwort klar: „Gleich geblieben ist seit wir uns engagieren wirklich wenig, was auch daran liegt, dass in unserer Community seit einiger Zeit echt Fahrt aufgenommen hat und wir wirklich viel auf die Beine stellen konnten.“
Neu kommen für die Mitglieder der YCC etwa regelmäßige Regionalgruppentreffen hinzu, die den Mitgliedern ermöglichen, neue Bereiche der Touristik oder Unternehmen besser kennenzulernen. Gleichzeitig arbeiten von der Young Community nun auch zwei Personen im Bildungsausschuss des Verbands mit.
Was sich beide auch für ihre Community bei den nächsten DRV-Veranstaltungen wünschen würden, wäre eine etwas stärkere Sichtbarkeit, denn grundsätzlich erlebten sie es trotz inzwischen über 100 YCC-Mitgliedern immer noch regelmäßig, dass Menschen diese Möglichkeit überhaupt nicht kennen. Hier wolle man noch stärker an Unternehmen herantreten und dazu aufrufen, junge Beschäftigte auf die Möglichkeiten, die es für junge Reiseprofis gibt, aufmerksam zu machen.
Auch Young Talent-Programm verdient mehr Sichtbarkeit
Diesen Wunsch teilen auch Vivien Heydebreck und Sandy Horchler, die sich mit ihrem Organisationsteam auch bei den Young Talents allmählich wieder auf eine neue Bewerbungsphase vorbereiten. „Was uns dabei für die nächste Runde besonders wichtig ist: dass sich noch mehr junge Menschen zutrauen, sich zu bewerben, denn grundsätzlich beobachten wir schon, dass einige Unternehmen und Kooperationen besonders stark zur Teilnahme ermutigen, während wir andere noch gar nicht wirklich erreichen.“
Das erklärte Ziel: ein diverses Teilnehmerfeld anzusprechen und mögliche Hürden zu reduzieren – gezielt auch für queere junge Menschen und Azubis, Studierende oder Berufsanfänger*innen mit Migrationshintergrund.
Vom diesjährigen Kongress fahren die beiden Mitorganisatorinnen der Young Talents-Aktion allerdings nun erst mal „beflügelt“ nach Hause. „Ich bin richtig stolz auf unsere Young Talents, fürs Mitmachen, ihren starken Auftritt auf der Bühne, ihr Engagement bei der Wall of Voices“, betont Horchler und lobt, das Engagement und die Motivation, die die jungen Leute an den Tag legen“. Viel mehr wünschen könne man sich von der Seite der Young Talents fürs nächste Mal kaum etwas.
Der Wunsch an die Organisatoren allenfalls, die jungen Leute noch stärker zu integrieren und sichtbarer zu machen. Dass sie die Themen, das Know-how und die Leidenschaft für die Branche dafür haben, haben sie in diesem Jahr zumindest schon zweifelsfrei bewiesen.



