Mit Herzblut und starken Vorbildern unter die Besten im Außendienst
Beim diesjährigen QTA-Voting der „Außendienstler*innen des Jahres“ stehen erstmals gleich drei Nachwuchskräfte unter 30 auf der Kandidatenliste. Lukas Taphorn, Jana Taufenbach und Tom Neumann zeigen, dass Erfahrung in der Touristik und herausragende Leistungen längst nicht mehr allein eine Frage des Alters sind – und erzählen im Gespräch mit Junge Reiseprofis, wie sie überhaupt ihren Weg in den Außendienst gefunden haben.

Noch knapp eine Woche – bis zum 25. September – läuft die Abstimmung zur Auszeichnung Außendienstler oder Außendienstlerin des Jahres, die jährlich im Rahmen des QTA-Reisesommers verliehen wird. Dafür hatten sich bereits in der Nominierungsphase rund 200 Reisebüros aktiv beteiligt und ihre beliebtesten Außendienstbeschäftigten der Branche ins Rennen geschickt. Mit dem Ergebnis, dass dank mehrerer Punktgleichheiten in diesem Jahr 13 statt zehn Vertriebler*innen zur Wahl stehen.
Auffällig dabei: Unter den Nominierten sind mit Lukas Taphorn (H10 Hotels), Jana Taufenbach (Grecotel) und Tom Neumann (DTS Reisen) in diesem Jahr gleich drei junge Reiseprofis unter 30, die neben bekannten und teils in der Vergangenheit ausgezeichneten Namen von den Reisebüros ins Rennen geschickt wurden. Stellt sich die Frage: Zeigt sich hier ein Trend, dass junge Menschen in der Branche mehr Vertrauen von ihren Unternehmen erhalten, bereitet die Ausbildung junge Menschen besser auf den Einsatz im Außendienst vor oder zahlt sich vor allem aus, dass die Vertreter*innen jüngerer Generationen auf bessere Netzwerke setzen können und sich so schneller einen Namen machen?
Anerkennung für Menschen mit Leidenschaft
Für Dennis Conrads, Bereichsleitung Marketing & Einkauf bei QTA-Verbundspartner Reiseland liegt die Antwort irgendwo dazwischen. Hinter jeder Nominierung stehe grundsätzlich erstmal „Anerkennung für Menschen, die unsere Branche mit ihrem Engagement, ihrer Persönlichkeit und ihrer Leidenschaft bereichern”. Das mache es umso spannender zu sehen, wem die Reisebüros ihre Stimme geben.
Dass diesmal gleich drei Vertriebler*innen unter 30 unter den am häufigsten Nominierten sind, ist für Conrads, der selbst mit 25 im Außendienst angefangen hat, durchaus ein Zeichen, dass die Branche gelernt hat, generationsübergreifender zu denken: „Junge Reiseprofis zeigen heute ganz selbstverständlich, dass Vertrieb, Persönlichkeit und digitale Präsenz zusammengehören. Wenn junge Talente für ihre Leistung ausgezeichnet werden, ist das nicht nur eine persönliche Wertschätzung – es ist auch ein wichtiges Signal für die gesamte Touristik”.
Vom Counter in den Außendienst
Was alle drei Nominierten unter 30 gemeinsam haben, ist die klassische Ausbildung im Reisebüro. Lukas Taphorn, Jahrgang 1997, startete seine Berufslaufbahn 2016 mit einer Counter-Ausbildung und blieb dem Beruf vorm Wechsel in den Außendienst einige Jahre treu. Auch die ebenfalls 1997 geborene Jana Taufenbach kam über eine Ausbildung zur Tourismuskauffrau und vor allem ein während der Ausbildungszeit geknüpftes Netzwerk in den Vertriebsaußendienst. Der jüngste der Nominierten ist Tom Neumann, der schon während der Ausbildung im DTS Reisebüro erste Außendiensterfahrungen sammeln konnte und seit seinem Ausbildungsabschluss Anfang dieses Jahres für DTS zweigleisig unterwegs ist: im Vertriebsaußendienst auf Reisebürobesuchen, Veranstaltungen und Inforeisen und gleichzeitig auch nach wie vor selbst am Counter.
Für Taphorn, der vor Neumann ebenfalls im Außendienst von DTS gearbeitet hat, und inzwischen genau wie sein ebenfalls nominierter Kollege Robert Hippmann die H10 Hotels vertritt, ist die starke Präsenz jüngerer Außendienstler*innen unter den Nominierten ein starkes Signal: So zeige sich etwa, dass viele Reiseveranstalter und Hotelketten erkannt haben, wie wichtig der Nachwuchs ist. „Es geht längst nicht mehr nur darum, angehende Ruheständler zu ersetzen, sondern gezielt frischen Wind und neue Impulse in die Unternehmen zu bringen.“
Konkurrenzdruck gegenüber den erfahreneren Mitbewerber*innen empfindet er nicht: „Ich sehe die anderen zwölf Nominierten vielmehr als Mitstreiter, da wir im Kern alle dasselbe Ziel verfolgen.“ Auf die Preisverleihung in Mainz freue er sich allein wegen dem Austausch mit den Kolleg*innen schon jetzt.
Mit starkem Netzwerk ins Berufsleben
Genau das Thema Netzwerk und die Gemeinschaft in der Touristik sind auch für Jana Taufenbach wichtige Faktoren in ihrer Berufslaufbahn gewesen. Die 29-Jährige ist erst seit Anfang August neu im Münchener Team von Aviareps Tourism für den Reisebürovertrieb von Grecotel zuständig und hatte zuvor berufliche Stationen als Vertriebsspezialistin für die Hyatt Inclusive Collection (Cara Hotel Marketing), ebenfalls DTS Reisen und zuletzt für Seachefs als Cruise Sales Managerin auf Expeditionsschiffen der Hapag Lloyd-Flotte.
Dass sie überhaupt den Schritt in den Außendienst gegangen ist, rechnet sie heute auch der großen Unterstützung ihrer Ausbilderin zu. „Sie hat mich auf Famtrips geschickt, mich auf Messen und Roadshow-Abende mitgenommen und immer drauf bestanden, mir ‚die wichtigen Menschen der Branche’ vorzustellen. Genau diese Kontakte hätten letztlich auch ihren weiteren beruflichen Weg entscheidend geprägt.
Dass sie sich heute als mögliches Vorbild für andere junge Reiseprofis sieht, sei zwar etwas, „was ich vor zehn Jahren nicht erwartet hätte”, spielt aber in ihrem Berufsalltag eine wichtige Rolle. Auch „weil sich viele Branchenprofis immer noch über unsere Nachwuchsproblematik wundern, ohne mit Azubis und Co auf Augenhöhe zu sprechen”. Sie nutzt stattdessen ihre Erfahrungen auch regelmäßig, um sich bei eigenen Young-Programmen einzubringen oder um Berufsschulklassen zu besuchen und zu ihren Möglichkeiten zu schulen. „Hier Momente zu schaffen, in denen ich merke, dass ich andere junge Berufsanfänger*innen inspirieren und ihnen auch den Mut zu notwendigen Veränderungen geben kann, liegt mir sehr am Herzen.”
Wertschätzung und Chancen direkt in der Ausbildung
Für den erst 20-jährigen Tom Neumann, mit Abstand der Jüngste unter den Nominierten, ist die Platzierung auf der Shortlist zuallererst eine „große Ehre”. Denn: „Wenn ich die anderen Nominierten auf Roadshows treffe, denke ich mir eher: ‚So will ich das auch einmal können’. „Ich kann von diesen erfahrenen Vertrieblern unglaublich viel lernen. Deshalb empfinde ich die Nominierung nicht als Druck, sondern als Bestätigung und gleichzeitig als Ansporn, meinen eigenen Weg weiterzugehen.”
Gerade deswegen zeige die Nominierung für Neumann auch welche wichtige Rolle Unterstützung und Wertschätzung im Beruf spielen. „Im Außendienst zählen am Ende Leistung, Engagement und der Umgang mit den Reisebüros und nicht das Alter. Um das unter Beweis zu stellen, braucht man aber auch Vorgesetzte und Kolleg*innen, die einem aktiv alle Chancen geben, das Beste aus seiner Leistung rauszuholen.” Die drei U30-Nominierungen bei der Abstimmung sehe er deshalb vorrangig als Ermutigung für andere junge Touristiker*innen: „Man muss nicht erst 30 Jahre Berufserfahrung haben, um etwas bewegen zu können.”
Was die Wahl für die Branche bedeutet
Ob am Ende einer der drei jungen Nominierten tatsächlich den Titel holt, entscheidet sich am 10. Oktober beim QTA Reisesommer in Mainz – was allerdings nichts daran ändert, dass allein die Nominierungen bereits einen Wandel in der Branche angekündigt haben. Denn am Ende sind es nicht nur digitale Sichtbarkeit und persönliche Netzwerke, die die jungen Außendienstler*innen in diesem Jahr so stark machen, sondern auch das Feuer für die Branche und Vertriebsaufgaben, die gerade dafür sorgen, dass die drei Nominierten ihrer Vorbildrolle gerecht werden und dabei vielleicht sogar daran mitwirken, ein neues Berufsbild im Außendienst zu prägen.
Dabei geht es für jede und jeden von ihnen um deutlich mehr als nur die persönliche Auszeichnung. Darüber hinaus verstehen sie sich trotz unterschiedlicher Arbeitgeber als Branchen-Profis, denen ein gemeinsames Thema besonders am Herzen liegt. Andere junge Menschen zu ermutigen, früh Verantwortung zu übernehmen und eigene Wege zu gehen – genauso wie es Mentor*innen, Vorgesetzte und Kolleginnen ihnen auch selbst einmal vorgelebt haben.
Den Tipp, mutig seinen eigenen Weg zu gehen und ohne Angst Chancen zu ergreifen, würde heute übrigens auch Dennis Conrads von Reiseland seinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben. „Wahrscheinlich würde ich mir aus heutiger Sicht sagen: ‚Bleib neugierig, glaub an dich und nutze die neuen Wege, die die Touristikbranche dir erschließt. Denn aus denen entstehen oft die spannendsten Möglichkeiten’.“



