„Die Touristik verändert sich – und genau das macht sie spannend“
Aus insgesamt 13 Nominierten wurde Daniel Ocampo von Schauinsland-Reisen in diesem Jahr zum Außendienstler des Jahres gewählt. Im Interview spricht der 36-Jährige darüber, was den Job im Außendienst für ihn so reizvoll macht, was er seinem jüngeren Ich in einer Postkarte nach der Preisverleihung geschrieben hätte und warum es sich lohnt, sich nicht nur Impulse bei den erfahrenen Kollegen, sondern auch bei jüngeren abzuholen.

Nach Stationen im Reisebüro und in der Betreuung von Kreuzfahrtkund*innen ist Daniel Ocampo seit inzwischen über drei Jahren im Vertriebsaußendienst von Schauinsland-Reisen – und gerade im Rahmen des QTA-Reisesommers als Außendienstler des Jahres ausgezeichnet worden. Ein besonderes Erfolgsrezept dafür hat der Regionalleiter Nord aus dem Vertriebsteam des Veranstalters zwar nicht, betont aber wie wichtig die Rolle ist, die eine vertrauensvolles Miteinander zwischen Veranstalter und Reisebüro spielt. Drei Dinge stehen für ihn dabei vor allem im Fokus. Persönliche Gespräche, Zuhören und die Tatsache, dass die Büros merken: Da ist jemand, der ihre Themen ernst nimmt.
Daniel, du bist gerade vor ein paar Wochen zum Außendienstler des Jahres ausgezeichnet worden. Was glaubst du machst du denn richtig, dass so viele Expis für dich abgestimmt haben?
Ich glaube, dafür gibt es tatsächlich kein Geheimrezept. Am Ende ist es eine Mischung aus vielen Dingen. Wir haben ein tolles Produkt und ein starkes Team im Hintergrund, das jeden Tag einen richtig guten Job macht. Das macht es mir draußen natürlich auch leichter. Gleichzeitig komme ich selbst aus dem Reisebüro und bin dort beruflich groß geworden. Dadurch verstehe ich ziemlich gut, was die Kolleg*innen beschäftigt und wo vielleicht auch mal der Schuh drückt. Mir ist der persönliche Kontakt extrem wichtig. Ich höre gerne zu, bin da, versuche mich zu kümmern und vielleicht an der einen oder anderen Stelle auch wirklich etwas für die Büros zu bewegen.
Wenn du an deinen bisherigen Weg im Job zurückdenkst: Hat dein Weg schon immer Richtung Außendienst bzw. Vertrieb geführt?
Nein, mein Weg war definitiv nicht komplett durchgeplant. Aber der Wunsch, irgendwann einmal in den Außendienst oder Vertrieb zu gehen, war tatsächlich schon während meiner Ausbildung da. Ich hatte damals Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Außendienst, bei denen ich dachte: Wow, das ist schon ein cooler Job, das könnte ich mir irgendwann auch mal vorstellen.
Was hat dich daran so gereizt?
Ich habe gerne Menschen um mich herum, mag den persönlichen Austausch und bin wahnsinnig gerne in dieser Branche. Trotzdem gab es nie diesen Masterplan. Mein Weg hat mich zwischendurch auch ins Kundencenter von AIDA Cruises und danach wieder zurück ins Reisebüro geführt. Gerade die Zeit im Reisebüro war für mich unglaublich wichtig. Ich hatte dort ein richtig tolles Team und hätte mich sicherlich als Büroleiter weiterentwickeln können. Deshalb war der Schritt in den Außendienst gar nicht so selbstverständlich und beim Abschied ist tatsächlich die eine oder andere Träne geflossen. Dann kam einfach die richtige Möglichkeit zur richtigen Zeit und ich habe sie genutzt. Der Wunsch war also schon länger da, aber der Weg dahin ist einfach entstanden.
Außer dir waren ja noch einige andere Kolleginnen und Kollegen nominiert – einige schon mit vielen Jahrzehnten Berufserfahrung, andere auch deutlich unter 30. Was kann man von älteren Kolleg*innen lernen und was von jüngeren?
Ich glaube, am Ende kann jeder von jedem lernen. Von den erfahrenen Kolleginnen und Kollegen aus dem riesigen Erfahrungsschatz, den sie sich über viele Jahre aufgebaut haben. Und von den Jüngeren – zu denen ich mich mit Mitte 30 übrigens auch noch zähle – den Schwung, neue Ideen und manchmal einen anderen Blick auf die Dinge. Für mich braucht es genau diese Mischung. Und vor allem muss man auf beiden Seiten bereit sein, einander zuzuhören und voneinander zu lernen. Ich fand es deshalb auch richtig schön, dass unter den Nominierten so viele junge Kolleg*innen dabei waren. Einige kenne ich persönlich und weiß, wie sehr sie für ihren Job und die Touristik brennen. Dieses Feuer erlebe ich aber genauso bei den erfahreneren Außendienstler*innen. Am Ende braucht die Branche beides: Erfahrung und neue Impulse.
Was ist das Coolste an deinem Job?
Ganz klar die Begegnungen und dass eigentlich kein Tag wie der andere ist. Mal stehe ich auf einer Bühne, mal sitze ich gefühlt den halben Tag im Auto, dann bin ich wieder im Reisebüro, auf einer Veranstaltung oder am Telefon. Genau dieser Cocktail aus allem macht den Job für mich aus. Und wenn ich mir den perfekten Arbeitstag aussuchen dürfte, wäre ich natürlich am liebsten auf Inforeise. Irgendwo in einem richtig schönen Hotel oder Restaurant mit ganz vielen Expis um mich herum. Zusammensitzen, sich austauschen, voneinander lernen und am Ende wieder mit neuen Gedanken nach Hause gehen. Denn bei jeder Begegnung kann man selbst auch etwas mitnehmen und ein Stück besser werden.
Was würdest du denn jungen Reiseprofis raten, die bei der Preisverleihung im Publikum gesessen haben und dich fragen, wie sie in ein paar Jahren auch auf der Bühne stehen und die Auszeichnung entgegennehmen?
Ich glaube ehrlich gesagt, denen muss man gar nicht so viel raten. Ich durfte einige der jungen Kolleginnen und Kollegen schon kennenlernen und mache mir da überhaupt keine Sorgen. Die sind selbstbewusst, haben richtig Bock auf ihren Job und bringen unglaublich viel mit. Wenn ich trotzdem eine Sache sagen müsste: Bleibt bei euch selbst. Verstellt euch nicht und versucht nicht, irgendeine Rolle zu spielen, von der ihr glaubt, dass man sie im Vertrieb spielen müsste. Die Menschen merken ziemlich schnell, ob jemand authentisch ist. Deshalb: Macht euer Ding, bleibt bei euch selbst. Ihr macht das jetzt schon mega.
Wenn ich heute als junger Mensch in der Reisebranche anfange: Was sollte ich auf dem Schirm haben? Bzw. was sollte mir über die Branche bewusst sein?
Erst einmal: Es ist einfach eine mega coole Branche und ich feiere sie nach wie vor total. Wir beschäftigen uns jeden Tag mit einer der schönsten Sachen im Jahr, nämlich dem Urlaub unserer Kund*innen. Gleichzeitig ist die Touristik unglaublich vielfältig und bietet so viele Möglichkeiten. Nutzt genau diese Möglichkeiten. Geht auf Events und Roadshows, nehmt an Inforeisen teil, bildet euch weiter und vor allem: Vernetzt euch. Baut euch euer eigenes Netzwerk auf. Unsere Branche lebt unglaublich stark von den Menschen, Begegnungen und dem Austausch miteinander.
Und was ist mit den mahnenden Stimmen der Branche?
Wenn den jungen Leuten heute jemand erzählt, dass es Reisebüros in zehn Jahren sowieso nicht mehr geben wird, kann ich ihnen echt nur raten, sich nicht verrückt machen zu lassen. Das hat man mir während meiner Ausbildung auch schon erzählt, und schaut mal, wo wir heute stehen. Für mich hat diese Branche absolut Zukunft. Sie verändert sich, aber genau das macht sie spannend. Seid offen, neugierig und habt auch mal den Mut, einen Weg einzuschlagen, den ihr vorher nicht komplett durchgeplant habt.
Gibt’s für dich ein großes Ziel, wo es beruflich noch hingehen soll und hast du einen Masterplan, wie du das erreichen willst?
Einen Masterplan hatte ich ehrlich gesagt noch nie. Ich habe ein tolles Team um mich herum, bin happy mit dem, was ich heute machen darf, und unglaublich dankbar dafür, für ein tolles Unternehmen zu arbeiten. Natürlich bin ich neugierig, was die Zukunft noch bringt. Aber ich muss heute nicht festlegen, wo ich in fünf oder zehn Jahren stehen möchte. Mein bisheriger Weg hat eigentlich ganz gut gezeigt: Schauen, was kommt, offen bleiben und wenn sich eine gute Chance ergibt, auch den Mut haben, sie zu nutzen.
Und wenn du am Abend nach der Verleihung eine Postkarte an dein jüngeres Selbst geschrieben hättest, was hätte draufgestanden?
“Sei mutig und mach einfach! Du wirst sehen: Wir haben die richtige Entscheidung getroffen und würden sie heute genauso wieder treffen.”



