Buchverlosung „Die innere Oma“: Das Zukunfts-Ich als Ratgeber
In ihrem neuen Buch „Die Innere Oma“ geht die Psychologin und Podcasterin Franca Cerutti („Psychologie to Go“) mit Selbstoptimierungstrends ins Gericht und schlägt stattdessen eine Strategie vor, wie man gnädiger auf Fehler und Schwächen reagieren kann. Dafür braucht es Fantasie, vielleicht die Hilfe einer KI und ein bisschen Übung, sich in sein älteres Selbst hineinzuversetzen. Über unseren Instagram-Kanal könnt ihr ein Exemplar gewinnen.

Gemütlich gemacht hat es sich die „innere Oma“, die Google Gemini, auf Basis meines eigenen Selfies generiert hat, schonmal… Im Hintergrund die Lehne einer gemütlich kuschligen Couch, durch die helle Gardine fallen Sonnenstrahlen aus dem Garten auf den Nacken der Frau im hellbraunen Woll-Cardigan. Die weißen Haare trägt die ältere Dame mit meinem Gesicht mit Altersflecken und Falten immer noch offen und leicht wellig, auch das leicht schiefe Grinsen schaute mir vor einigen Sekunden noch in der Fotovorschau meines eigenen Smartphones entgegen. Und obwohl ich weiß, dass das alles nur den Daten einer KI entsprungen ist, würde ich der Frau, die mich aus meinem Smartphone heraus anschaut, irgendwie glauben, wenn sie mich jetzt dazu auffordern würde, einfach mal ein paar Gänge runterzuschalten.
Anlass für das eher ungewöhnliche KI-Experiment ist das neu erschienene Buch der psychologischen Psychotherapeutin Franca Cerutti, deren Podcast „Psychologie to Go“ sie seit einigen Jahren zur beliebten Ratgeberin von über einer Million Hörern gemacht hat. Das neue Buch trägt den Titel „Die Innere Oma“ und beschäftigt sich mit einem Phänomen, das in der psychologischen Forschung auch unter dem Namen „Zukunfts-Ich“ bekannt ist.
Gegenpol zum Inneren Kind
Wie Cerutti in Interviews zur Vorstellung ihres Buchs immer wieder erklärt, ist ihr Konzept der „inneren Oma“ ein Gegenpol zum seit Jahren schon in Ratgebern reichlich präsenten „inneren Kind“, das je nach Kontext Streicheleinheiten oder neue Denkmuster verpasst bekommt, in der Hoffnung, mehr Resilienz aufzubauen oder insgesamt unbeschwerter und erfolgreicher durchs Leben zu gehen. Ceruttis „innere Oma“ hingegen dient als Ratgeberin – als jemand, die statt Aufgeregtheit und Verletzlichkeit den Zen eines Menschen in den Alltag bringen kann, den nichts mehr so schnell schockieren dürfte.
Zum Aufbau dieser älteren Version von sich selbst rät Cerutti nicht nur, die KI zur Hilfe zu nehmen, um sich ein besseres Bild von einem möglichen Zukunfts-Ich machen zu können, sondern sich auch klar vorzustellen, welche Art von Leben die ältere Version wohl führen wird. An welchem Ort setzt man sich zur Ruhe, wer sind die Menschen, mit denen man sich im Leben umgibt und was sind auch im Alter die Dinge, die einen glücklich machen? Mit diesem Wissen gelinge es leichter, rät Cerutti, sich wirklich eine Variante von sich selbst vorzustellen, die man hin und wieder als Ratgeber verwenden kann.
Denn richtig befragt soll diese Version von einem selbst – ob Oma, Opa oder je nach Wunsch auch geflügeltes Fantasiewesen – dann in der Lage sein, einem neue Perspektiven aufs Leben, Herausforderungen oder Alltagsprobleme an die Hand zu geben. Das Prinzip dahinter: Mit Abstand wirkten Probleme häufig deutlich kleiner – selbst herstellen kann man diesen Abstand allerdings nur zu Situationen, in denen man nicht unmittelbar steckt.
Tipps zu vielen Lebensbereichen
Hat man nun den Draht zu einer älteren Ratgeberversion einmal aufgebaut, lässt die häufig wirklich nützliche Ratschläge da, hinterfragt Dinge, die vielleicht nur einem selbst gerade wirklich relevant erscheinen und bringt auch immer mal wieder alles etwas in die Perspektive. Denn bei allen Trends in Sachen Selbstoptimierung à la „Werde die beste Version von dir selbst“, brauche man hin und wieder dann doch eben wieder jemanden, der einem einfach nur sagt „Sei überhaupt erstmal du selbst.“
An Themen, zu denen die Innere Oma dann gute Tipps auf Lager hat, nennt Cerutti in den späteren Kapiteln ihres Buches dann auch einige, von Momenten der Scham über Schuldgefühle, übermäßigen Perfektionismus und die Tendenz sich klein zu machen oder wahlweise auch mal ganz allein die Welt retten zu wollen. Zu alldem hat das Zukunfts-Ich seine eigene Perspektive und wird vielleicht ein mildes Lächeln aufsetzen, bevor es einen daran erinnert, dass hier vielleicht gerade doch etwas Mut zur Veränderung fällig wäre oder man sich doch vielleicht zur Abwechslung einfach mal selbst als Priorität behandeln oder erstmal für eine besonders gute Sache auf die Schulter klopfen könnte. Dass man den inneren Kritiker mithilfe ihrer Variante ganz zum Schweigen bekommt, verspricht Cerutti in ihrem Buch zwar nicht, aber vielleicht ist er mit einer so netten Gesellschaft für ein Kaffeekränzchen alle Nase lang ja auch einfach mal ein wenig abgelenkt.
Wenn ihr neugierig seid und Franca Ceruttis neues Buch selbst als Denkanstoß lesen wollt: Bei uns habt ihr die Möglichkeit, eine Ausgabe des Buchs zu gewinnen. Geht dafür einfach auf unseren Instagram-Account @trvlcounter und kommentiert unter dem gepinnten Post zu diesem Beitrag, welchen Rat euch eure inneren Omas oder Opas wohl häufig mal geben würden.



