Insight

Best-Reisen-Tagung setzt Fokus auf Nachwuchs-Perspektiven

13. September 2026

Was erwarten junge Touristiker von ihren Ausbildern, und was können Reisebüros im Gegenzug von Azubis und Berufseinsteiger*innen erwarten? Das Panel „Zwei Perspektiven, ein Ziel“ bei der Best-Reisen-Jahrestagung zeigte: Zwischen den Generationen liegen weniger Welten, als gerne behauptet wird.

Podiumsdiskussion bei der Best-Reisen-Jahrestagung

Es hätte leicht eine der üblichen Generationendebatten werden können: hier die vermeintlich anspruchsvolle Gen Z, dort erfahrene Ausbilder, die auf wirtschaftliche Zwänge und den Reisebüroalltag verweisen. Doch die Diskussion mit Anton Bühler, Lara Mond, Maria Nietzel, Manuela Paparizos, Dr. Frieder Krauss und Roksana Pilat nahm einen erfreulich anderen Verlauf. Statt übereinander zu reden, wurden Erwartungen und Missverständnisse offen angesprochen.

Dabei zeigte sich schnell: Die Interessen liegen gar nicht so weit auseinander. Junge Mitarbeiter wollen lernen, Verantwortung übernehmen und ernst genommen werden. Ausbilder wollen engagierten Nachwuchs entwickeln – müssen aber gleichzeitig Dienstpläne, Kunden und Kosten im Blick behalten. Konflikte entstehen häufig dort, wo beide Seiten davon ausgehen, die jeweils andere müsste eigentlich wissen, was gemeint oder gewünscht ist.

Inforeisen sind Teil der Ausbildung

Besonders deutlich wird das beim Thema Inforeisen. In einer Befragung unter den Youngsters landeten sie als hilfreichste Form der Weiterbildung noch vor Learning by Doing, dem Austausch mit Kollegen, Webinaren und Gesprächen mit Ausbildern. 

Die jungen Teilnehmer machen deutlich, warum: Wer Produkte mit Emotion und Überzeugung verkaufen soll, muss sie möglichst selbst erlebt haben. „Damit man es auch wirklich versteht, dieses Produkt und sieht und dieses Gefühl auch an den Kunden vermitteln kann“, beschreibt Anton Bühler den Nutzen. 

Auch aus Ausbildersicht wird der Wert nicht bestritten. Ein Beispiel aus dem Reisebüro zeigt sogar den direkten vertrieblichen Effekt: Nach einer Kreta-Inforeise konnte eine Auszubildende das neu erworbene Wissen unmittelbar in eine Beratung übertragen und innerhalb von 45 Minuten eine Buchung abschließen. Gleichzeitig kommt aber die betriebswirtschaftliche Realität ins Spiel: „Es muss am Ende vom Tag einfach ein Umsatz stehen.“ 

Darin liegt eine wichtige Erkenntnis: Inforeisen sind für Nachwuchskräfte kein Incentive, das man sich erst verdienen muss. Richtig eingesetzt sind sie Teil der Qualifizierung – und können sich für das Reisebüro unmittelbar auszahlen.

Allerdings gehört zur Wahrheit auch die andere Seite. Roksana Pilat berichtet von einer exklusiven und kostenfreien Inforeise für die BEST-Nachwuchsoffensive, für die sich aus 104 Youngsters nicht einmal eine Gruppe von 20 Teilnehmern zusammenstellen ließ. Ihr Appell: Wenn solche Möglichkeiten geschaffen werden, müssen sie vom Nachwuchs auch genutzt werden. „Beide Seiten können davon eigentlich nur profitieren. Es ist Win-win für beide.“ 

Wertschätzung ist mehr als Lob

Noch spannender wird das Panel beim Thema Wertschätzung. Denn hier offenbart eine Befragung eine Wahrnehmungslücke: 85 Prozent der teilnehmenden Ausbilder sind überzeugt, dass sich ihre Youngsters im Betrieb wertgeschätzt fühlen. Bei den Nachwuchskräften kommt diese Wertschätzung jedoch nicht im gleichen Umfang an. 

„Die Wertschätzung für viele ist vor allem das selbstständige Arbeiten und auch das Vertrauen, das der Arbeitgeber oder der Chef uns gegenüberbringt“, lautet eine Aussage aus der Youngster-Perspektive. Verantwortung übertragen, selbst machen dürfen, eingebunden sein – darin zeigt sich Anerkennung. 

Anton Bühler bringt es noch grundsätzlicher auf den Punkt: „Kommunikation ist für mich die höchste Form von Wertschätzung.“ Sich Zeit zu nehmen, Themen anzusprechen und auch über Fehler und Probleme offen zu reden, sei entscheidend. 

Für Ausbilder steckt darin eine durchaus unbequeme Botschaft. Gut gemeinte Wertschätzung reicht nicht. Sie muss beim Gegenüber auch als solche ankommen. Und dafür muss man wissen, was der andere überhaupt darunter versteht.

Klares Feedback statt Konfliktvermeidung

Eng damit verbunden ist die Feedbackkultur. Die Youngsters wünschen sich eher regelmäßige Rückmeldungen als das klassische Gespräch in größeren Abständen. Auf die Frage nach dem bevorzugten Rhythmus fällt die Antwort eindeutig aus: „Auf jeden Fall wöchentlich.“ 

Dabei geht es keineswegs darum, Kritik zu vermeiden. Im Gegenteil: Gewünscht wird klares Feedback, mit dem sich etwas anfangen lässt.

Interessant ist deshalb der Gedanke des „Feedforward“. Statt lediglich zu erklären, was falsch gelaufen ist, richtet sich der Blick darauf, was beim nächsten Mal anders gemacht werden kann: „Beim nächsten Mal probier doch mal das und das aus. Probier mal was anderes aus. Und dann gucken wir, wie es da läuft.“ 

Fehler werden damit nicht kleingeredet. Sie werden zum Teil des Lernprozesses. Eine Youngster-Stimme formuliert es entsprechend pragmatisch: „Fehler machen ist auf jeden Fall menschlich und gehört immer mit dazu.“ Konstruktives Feedback gebe anschließend die Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen. 

Beide Seiten müssen sich bewegen

Eine der stärksten Erkenntnisse des Panels liegt deshalb nicht in einer Forderung der Jungen an die Älteren. Auch die Youngsters werden in die Pflicht genommen.
Die Befragung zeigt, dass sich viele Auszubildende offenbar nicht trauen, ihre Vorgesetzten beispielsweise nach einer Inforeise zu fragen. Stattdessen warten sie darauf, angesprochen zu werden. Das wiederum wissen die Ausbilder möglicherweise gar nicht. 

Hier beginnt der Perspektivwechsel. Ausbilder müssen akzeptieren, dass eine jüngere Generation andere Vorstellungen von Feedback, Kommunikation und Wertschätzung mitbringt. Nachwuchskräfte wiederum müssen lernen, ihre Wünsche zu formulieren, Initiative zu zeigen und Verantwortung nicht nur einzufordern, sondern auch anzunehmen.

Hilfreich ist dabei eine kleine sprachliche Veränderung, die auf dem Panel vorgeschlagen wird: Forderungen und Vorwürfe nicht mit dem beginnen, was die andere Seite vermeintlich falsch macht, sondern mit dem Satz: „Ich würde mir wünschen …“. Der Inhalt kann derselbe bleiben, der Ton verändert das Gespräch jedoch grundlegend. 

Kein Kampf der Generationen

Am Ende ist „Zwei Perspektiven, ein Ziel“ deshalb ein ziemlich passender Titel. Denn die Diskussion zeigt gerade nicht den oft beschworenen Kulturkampf zwischen Generationen. Sie zeigt vielmehr, wie schnell Missverständnisse entstehen, wenn Erwartungen unausgesprochen bleiben.

Für Reisebüros ist das mehr als eine Frage des guten Betriebsklimas. In einer Branche, die dringend Nachwuchs sucht und junge Mitarbeiter langfristig halten will, wird Führung zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Wer jungen Menschen Verantwortung gibt, Weiterbildung ermöglicht, regelmäßig und klar kommuniziert und ihnen zugleich etwas zutraut, investiert unmittelbar in die Zukunft des eigenen Unternehmens.

Ähnliche Beiträge

Mehr aus News

Stay inspired!

Dein Update für Wissen, Events
und Chancen in der Touristik.

  • Wissen & Inspiration
  • Exklusive Inhalte
  • Kostenlos & jederzeit kündbar